PTA News: Aktuelles zu Scheidenpilzinfektionen und den Therapieoptionen
Eine Scheidenpilzinfektion, medizinisch als Vulvovaginalkandidose (VVC) bezeichnet, zählt zu den häufigsten Gründen, warum Frauen gynäkologische Hilfe suchen und sich anschließend in der Apotheke beraten lassen. Etwa 70-75 % aller Frauen sind mindestens einmal im Leben von einer solchen Infektion betroffen. Die Erkrankung ist damit nicht nur sehr verbreitet, sondern verursacht auch einen erheblichen Leidensdruck bei den Betroffenen.
Verursacht wird die Erkrankung durch verschiedene Candida-Stämme, wobei bestimmte Faktoren als Trigger bekannt sind. Interessanterweise ist bislang nicht vollständig geklärt, warum es bei manchen Frauen von einer asymptomatischen Candida-Kolonisation – die bei etwa 30 % der gesunden Frauen im gebärfähigen Alter vorkommt – zu einer tatsächlichen Infektion kommt. Hefepilze gelten als typische Opportunisten und nutzen Schwächen des Immunsystems aus, um eine Infektion hervorzurufen.
Die VVC betrifft jedoch hauptsächlich gesunde Frauen im gebärfähigen Alter, besonders bei Einnahme hormoneller Verhütungsmittel oder während der Schwangerschaft. Hier spielt der erhöhte Östrogenspiegel eine wichtige Rolle, da er eine Candida-Invasion erleichtert. Weiterhin dient das durch die Östrogenwirkung im Scheidenepithel gespeicherte Glykogen den Pilzen als Nahrung. Deshalb sind Mädchen vor der ersten Regelblutung und postmenopausale Frauen seltener betroffen, da bei ihnen die Kolonisation mit Candida geringer ist.
In 85-95 % handelt es sich um Candida (C.) albicans als ursächliche Spezies. Andere Candida-Arten, sogenannte Non-albicans-Spezies wie z. B. C. glabrata finden sich seltener und eher bei postmenopausalen, diabetischen und immunsupprimierten Frauen.
Gemäß Leitlinien-Definition soll die Bezeichnungen „Candidose“, „Kandidose“ oder auch „Candida-Vulvovaginitis“ bevorzugt gegenüber „Candidiasis“ genutzt werden, da die Endung „-iasis“ auf parasitäre Erkrankungen, wie z. B. Trichomoniasis, hindeutet.
Symptome
Typische Beschwerden bei einer Scheidenpilzinfektion (VVC) sind Juckreiz, sowie Rötungen im Intimbereich, ein wundes Gefühl, Brennen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) und beim Wasserlassen (Dysurie). Wichtig zu wissen: Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Es kann auch sein, dass nur einzelne Beschwerden vorliegen.
Ein wichtiges Symptom ist auch der Ausfluss (Fluor): Zu Beginn der Infektion ist er oft eher dünnflüssig, später wird er meist weiß, krümelig oder flockig. Bei einer länger bestehenden (chronischen) VVC kann der Ausfluss sogar ganz fehlen. Im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose ist bei einer Pilzinfektion kein unangenehmer, fischartiger Geruch wahrzunehmen.
Schon gewusst? Die Symptome einer VVC zeigen sich häufig kurz vor der Menstruation. In dieser Phase wird mehr Glykogen im Scheidengewebe freigesetzt, das von Laktobazillen zu Glucose abgebaut wird. Dadurch steigt der Glucosespiegel im Gewebe und begünstigt das Pilzwachstum.
Diagnostik
Die aktuelle Leitlinie „Vulvovaginalkandidose“ betont, dass die alleinige Beurteilung der Symptome nicht ausreicht, um sicher eine Diagnose zu stellen. Um die genaue Ursache einer Vaginitis (Entzündung der Scheide) zu bestimmen, ist neben der Befragung der Patientin (Anamnese) auch eine mikroskopische Untersuchung des Ausflusses notwendig. Nur so lässt sich anhand von sichtbaren (Pseudo-)Hyphen erkennen, ob es sich tatsächlich um eine Infektion mit Candida handelt oder lediglich um eine harmlose Besiedelung.
Das Anlegen einer Pilzkultur zur Artbestimmung wird nur bei rezidivierenden oder komplizierten Fällen empfohlen. Als unsinnige Diagnostik nennt die Leitlinie serologische Tests, v. a. zur Antikörperbestimmung.
Therapie
Eine akute Vulvovaginalkandidose sollte unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse der Frau entweder mit lokalen oder mit oralen Antimykotika behandelt werden. Bei chronisch, rezidivierenden Infektionen sollte primär die orale Therapie, eventuell im Sinne einer länger andauernden Suppressionstherapie durchgeführt werden.
Laut Leitlinie ist der Therapieerfolg der bekannten Wirkstoffe, zu denen Azole, Polyene und Ciclopiroxolamin gehören, untereinander vergleichbar, wie auch die Art der Anwendung (lokal oder oral) äquivalente Heilungschancen aufweist. Die Leitlinie rät die Behandlung der Erstmanifestation lokal mit Imidazolderivaten (Clotrimazol, Econazol, Fenticonazol, Isoconazol oder Miconazol) durchzuführen. Die Behandlungsdauer variiert je nach Dosierung der Zubereitung. Eine Möglichkeit lokal mit Clotrimazol zu behandeln ist beispielsweise Vagisan Myko Kombi (Vaginalzäpfchen mit 500 mg Clotrimazol für 1 Tag, Creme mit 1 % Clotrimazol für 7 Tage), Vagisan Myko Kombi 3 Tage (Vaginalzäpfchen mit 200 mg Clotrimazol für 3 Tage, Creme mit 2 % Clotrimazol für 3 Tage) und Vagisan Myko Kombi 6 Tage (Vaginalzäpfchen mit 100mg Clotrimazol für 6 Tage, Creme mit 1% Clotrimazol 1-2 Wochen). Um Rezidive von unerreichten hinteren Stellen zu vermeiden, sollten Vaginaltabletten und -zäpfchen tief in die Scheide eingeführt werden, bzw. Cremes mit einem Applikator appliziert werden. Die Heilungschance der intravaginalen Behandlung kann durch die gleichzeitige Behandlung des äußeren Intimbereichs erhöht werden. Die Vagisan Myko-Kombi Präparate enthalten neben den Zäpfchen auch eine Tube mit Creme zur Anwendung im äußeren Intimbereich.
Ziel der Behandlung ist es übrigens nicht, alle Hefepilzzellen im unteren Genitaltrakt zu eliminieren, sondern deren Anzahl so weit zu verringern, damit keine Beschwerden vorliegen. Die Leitlinie betont, dass eine asymptomatische vaginale Kolonisation mit Candida grundsätzlich keiner Therapie bedarf. Ebenso sollte auf die „blinde“ Behandlung des Partners, sofern dieser keine Symptome zeigt, verzichtet werden, da der Nutzen für die Patientin nicht belegt ist.
Das Anlegen einer Pilzkultur zur Artbestimmung wird nur bei rezidivierenden oder komplizierten Fällen empfohlen. Als unsinnige Diagnostik nennt die Leitlinie serologische Tests, v. a. zur Antikörperbestimmung.
Das Besondere der Vagisan Myko-Präparate ist die Cremolum-Galenik der Vaginalzäpfchen. Das Zäpfchen wird einfach ohne Applikator in die Scheide eingeführt. Es schmilzt nach dem Einführen und bildet zusammen mit der Scheidenflüssigkeit eine Creme, die zusätzlich zur Anti-Pilz-Wirkung einen cremenden Effekt auf die bei Scheidenpilz oft brennende und juckende Scheidenhaut hat.
Namensänderung: Canifug wird zu Vagisan
Die bewährte 6-Tage-Kombitherapie gegen vaginale Hefepilzinfektionen (bisher Canifug Cremolum 100 Kombi) ist ab November unter dem Namen Vagisan Myko Kombi 6 Tage erhältlich (verschreibungspflichtig). Rezeptur und Anwendung bleiben unverändert – nur die Marke wechselt. Die Kombination aus 6 Vaginalzäpfchen (je 100 mg Clotrimazol) und 20 g Creme (1 % Clotrimazol) bietet weiterhin eine effektive lokale Therapie. Das bisherige Canifug-Produkt wird bis zum Abverkauf der Restbestände verfügbar sein.
Literatur
1 Vulvovaginalkandidose. Leitlinie der DGGG, OEGG und SGGG (S2k-Level, AWMF-Registernummer 015/072, September 2020). www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-072.html
Stand 10/2025

